Der Neubau des Schwimmbads im Bochumer Südpark in Wattenscheid-Höntrop ist seit Jahren geplant, kommt aber weiterhin nicht über das Vorbereitungsstadium hinaus. Zwar liegen die Planungen inzwischen vollständig vor, doch der tatsächliche Baubeginn ist weiterhin ungewiss. Hauptgrund dafür sind rechtliche und genehmigungsrechtliche Hürden, die bislang nicht abschließend geklärt sind.
Das neue Bad soll das frühere Hallen- und Freibad Höntrop ersetzen, das nach einem Brand im Jahr 2016 geschlossen, 2018 im Freibadbereich aufgegeben und 2020 endgültig abgerissen wurde. Vorgesehen ist ein modernes, flach gebautes Hallenbad mit Holzfassade und begrüntem Dach. Im Inneren sind ein Schwimmerbecken mit sechs 25-Meter-Bahnen sowie ein Kursbecken mit Hubboden geplant. Große Schiebetüren sollen den Übergang zu Außenbereichen ermöglichen, darunter eine Sonnenterrasse, Liegewiesen, ein Spraypark und ein Freizeitbereich. Der markante Zehn-Meter-Sprungturm des früheren Freibads bleibt als Landmarke erhalten, wird jedoch zu einem Rutschenturm umgebaut und in das neue Konzept integriert.
Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 27 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch infrastrukturelle Maßnahmen, insbesondere der Ausbau der Zufahrtsstraße „In der Mark“, wo Kurven verbreitert werden müssen, um den erwarteten Verkehr aufzunehmen. Betreiber des neuen Bads sind die Wasserwelten Bochum, ein Tochterunternehmen von Stadt und Stadtwerken. Ein Totalunternehmer für Planung und Bau wurde bereits beauftragt, steht aufgrund der bestehenden Unsicherheiten jedoch lediglich auf Abruf.
Der geplante nächste formale Schritt ist die Einreichung des Bauantrags, die für Mai oder Juni 2026 vorgesehen ist. Selbst bei einer zügigen Bearbeitung der Baugenehmigung rechnen die Wasserwelten jedoch nicht mit einem unmittelbaren Baustart. Hintergrund ist eine weiterhin anhängige Klage eines Anwohners, der das Projekt wegen befürchteter zusätzlicher Verkehrsbelastung verhindern möchte. Zwar hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen diese Klage bereits abgewiesen und festgestellt, dass die zu erwartende Verkehrsbelastung zwar spürbar, aber rechtlich nicht rücksichtslos sei. Der Kläger hat jedoch Berufung beantragt, über deren Zulassung nun das Oberverwaltungsgericht Münster entscheidet. Dieses Verfahren kann sich nach Einschätzung des Gerichts durchaus bis zu einem Jahr hinziehen.
Die Wasserwelten haben deutlich gemacht, dass sie mit den eigentlichen Bauarbeiten erst beginnen wollen, wenn das Gerichtsverfahren endgültig abgeschlossen und die Klage rechtskräftig abgewiesen ist. Auf diese Weise soll das finanzielle Risiko begrenzt werden. Derzeit besteht dieses Risiko vor allem in den bereits angefallenen Planungskosten, die verloren wären, falls das Projekt doch noch gestoppt würde.
Ein Baustart noch im Jahr 2026 gilt deshalb als sehr unwahrscheinlich. Sollte das Verfahren zügig enden und anschließend die Baugenehmigung erteilt werden, wäre eine Bauzeit von etwa 21 Monaten vorgesehen. In diesem optimistischen Szenario könnte das neue Bad frühestens im Frühjahr 2028 eröffnet werden. Jede weitere Verzögerung im Rechts- oder Genehmigungsverfahren verschiebt diesen Zeitpunkt entsprechend nach hinten.
Der Neubau in Höntrop ist Teil eines umfassenden Bäderkonzepts der Stadt Bochum. Der Rat hatte 2021 beschlossen, bis 2030 rund 105 Millionen Euro in die Modernisierung und den Neubau städtischer Bäder zu investieren. Bereits umgesetzt oder weit fortgeschritten sind unter anderem das Freibad in Werne, die Freizeit- und Wasserlandschaft „Urban Blue“ in Langendreer, die Sanierung des Südbads in Linden sowie der Umbau des Wellenfreibads Südfeldmark. Nach Höntrop sollen anschließend weitere Standorte wie Hofstede modernisiert werden.
Trotz fertiger Pläne und politischer Beschlüsse bleibt das Schwimmbadprojekt in Höntrop damit vorerst Zukunftsmusik. Erst wenn die rechtlichen Streitigkeiten beendet und alle Genehmigungen erteilt sind, kann aus der Planung ein tatsächlicher Baubeginn werden.
Quelle: WAZ - Pläne fertig, Baubeginn unbekannt: Woran der Bau des neuen Bochumer Bads hakt - Paywall
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