In der Gelsenkirchener Innenstadt ist der Bau eines groß angelegten, hochmodernen Psychologie- und Psychiatrie-Campus geplant, der die psychiatrische Versorgung in der Region nachhaltig verbessern soll. Das Projekt wird vom Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen (EvK) realisiert und mit rund 39,7 bis 40 Millionen Euro vollständig durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Eigenmittel des Krankenhauses sind für den Bau nicht erforderlich. Hintergrund des Vorhabens ist ein seit Jahren bestehender Mangel an vollstationären psychiatrischen Behandlungsplätzen in der Region.
Der neue Campus entsteht auf einem zentral gelegenen Areal an der Overwegstraße und Munckelstraße, direkt gegenüber dem Hauptgebäude des Evangelischen Klinikums. Auf dem Gelände befinden sich derzeit das ehemalige Amtsgericht sowie die frühere Sozialtherapeutische Anstalt (Sotha), beides seit Jahren leerstehende Gebäude. Das Amtsgericht wurde bereits 2013 wegen Einsturzgefahr geräumt, die Sotha wurde nach der Schließung nicht mehr genutzt. Beide Gebäude wurden vom Evangelischen Klinikum beziehungsweise vom Diakoniewerk erworben und sollen vollständig abgerissen werden. Mit dem Neubau wird zugleich ein städtebaulicher Missstand in unmittelbarer Innenstadtnähe beseitigt.
Geplant sind zunächst zwei miteinander verbundene Neubauten, die modular konzipiert sind und perspektivisch erweitert werden können. In einem möglichen dritten Bauabschnitt könnten weitere Stationen integriert werden. Ziel ist es, moderne Psychiatrie an einem Standort zu bündeln und alle Versorgungsformen – ambulant, teilstationär und vollstationär – räumlich und inhaltlich zu vereinen. Konkret sollen auf dem neuen Campus 120 vollstationäre Betten sowie 32 teilstationäre Plätze entstehen. Damit erhöht sich die Zahl der vollstationären Plätze um 78 gegenüber dem bisherigen Angebot. Insgesamt wird das Evangelische Klinikum künftig über rund 180 psychiatrische Betten verfügen.
In den Neubau sollen unter anderem die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) sowie die Tagesklinik einziehen, die derzeit noch an der Bruchstraße untergebracht sind. Zwei bestehende vollstationäre Stationen verbleiben vorerst im Hauptgebäude des EvK, können jedoch langfristig in eine spätere Erweiterung des Campus integriert werden. Die unmittelbare Nähe zum Hauptklinikum gilt als zentraler Vorteil des Standorts, da medizinische Leistungen jederzeit gebäudeübergreifend erbracht werden können, während die Patientinnen und Patienten zugleich in einem speziell auf psychiatrische Bedürfnisse zugeschnittenen Umfeld behandelt werden.
Das inhaltliche Konzept des Campus orientiert sich an einer modernen sozialpsychiatrischen Ausrichtung. Vorgesehen sind offene und helle Architektur, großzügige Außenflächen, Bewegungs- und Sportangebote als Teil der Therapie sowie eine stärkere Einbindung von Angehörigen und Selbsthilfegruppen. Die Klinik soll bewusst kein abgeschotteter Ort sein, sondern Offenheit und Teilhabe ermöglichen und starre Grenzen zwischen Klinik, Stadt und sozialem Umfeld auflösen.
Parallel zum eigentlichen Klinikbau ist ein weiteres Projekt vorgesehen: Auch das Gebäude an der Munckelstraße, in dem derzeit noch Beratungsdienste des Diakoniewerks untergebracht sind, soll abgerissen werden. An dieser Stelle ist der Neubau des sogenannten Wichernhauses geplant, einer Einrichtung des Diakoniewerks für betreutes Wohnen und soziale Hilfen. Vorgesehen ist ein Wohnheim mit 24 Plätzen für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, das das medizinische Angebot des Campus durch sozial-therapeutische Unterstützung ergänzt.
Der Projektstand befindet sich derzeit an einem wichtigen Übergangspunkt. Die Vorentwurfsplanung ist abgeschlossen, aktuell läuft die Genehmigungsplanung, die Voraussetzung für den späteren Bauantrag ist. Die bisherige Vorplanung stammt vom Architekturbüro Ludes. Aufgrund der öffentlichen Fördermittel muss die weitere Planung europaweit ausgeschrieben werden. Parallel dazu wird der Abriss der Bestandsgebäude vorbereitet, wofür jedoch separate Abbruchgenehmigungen erforderlich sind. Konkrete Termine für den Abriss und den Baubeginn stehen noch nicht fest.
Die Fertigstellung des Psychologie-Campus ist nach aktuellem Stand für das Jahr 2030 vorgesehen. Für die Stadt Gelsenkirchen und die Landespolitik hat das Projekt eine besondere Bedeutung: Es stärkt die medizinische Schwerpunktbildung der Stadt, wertet die Innenstadt städtebaulich auf und gilt als eines der ersten großen Bauvorhaben der neuen Oberbürgermeisterin Andrea Henze. Gleichzeitig ist es Teil einer landesweiten Krankenhausstrategie, mit der Nordrhein-Westfalen gezielt Fachbereiche ausbaut und modernisiert, um die Versorgung langfristig sicherzustellen.
Quelle: WAZ - Mega-Bauprojekt in Gelsenkirchen: Das sind die Pläne für Millionenförderung - Paywall
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