Der Neubau des Hallenbades in Mülheim-Heißen stellt eines der derzeit wichtigsten Infrastrukturprojekte der Stadt im Bereich Sport, Bildung und Freizeit dar. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich im November 2024 begann offiziell die Bauphase für das neue Bad, das direkt neben dem bestehenden Friedrich-Wennmann-Bad entsteht. Dieses alte Hallenbad aus dem Jahr 1975 ist baulich stark überaltert und soll so lange weiterbetrieben werden, bis der Neubau voraussichtlich im Frühjahr 2027 eröffnet wird. Durch die unmittelbare Nachbarschaft beider Gebäude kann der Schwimmbetrieb während der Bauzeit aufrechterhalten werden.
Die Bauarbeiten waren von Beginn an anspruchsvoll. Insgesamt wurden rund 13.000 Kubikmeter Erde ausgehoben, wodurch ein großer Baukrater entstand. Verzögerungen ergaben sich unter anderem durch notwendige Sicherungsmaßnahmen aufgrund früheren Bergbaus im Untergrund sowie durch witterungsbedingte Probleme, da starke Regenfälle die Baustelle zeitweise in ein Schlammfeld verwandelten. Inzwischen schreitet der Bau jedoch planmäßig voran, und die Grundstruktur des neuen Hallenbades ist bereits deutlich erkennbar.
Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei über 20 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt überwiegend durch die Stadt Mülheim an der Ruhr, ohne Fördermittel von Bund oder Land. Eine Stiftung beteiligt sich mit rund 3,8 Millionen Euro an den Kosten, insbesondere zur Unterstützung einzelner funktionaler Bereiche. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt wird der Neubau dennoch als notwendige Investition betrachtet, da das bestehende Bad den heutigen Anforderungen an Sicherheit, Kapazität und Barrierefreiheit nicht mehr gerecht wird.
Inhaltlich soll das neue Hallenbad eine deutliche Verbesserung der Schwimminfrastruktur darstellen. Herzstück ist ein modernes Sportbecken mit sechs 25-Meter-Bahnen und einer Drei-Meter-Sprunganlage. Damit wird es erstmals möglich sein, in Mülheim Schwimmwettkämpfe der Kategorie D auszurichten. Zudem erlaubt die zusätzliche Bahn sowie die Teilbarkeit des Beckens eine wesentlich flexiblere Nutzung. Insbesondere für den Schulsport bedeutet dies einen großen Fortschritt: Die Zahl der Schwimmstunden kann künftig verdoppelt werden, da mehrere Gruppen parallel unterrichtet werden können.
Ergänzt wird das Sportbecken durch ein Lehrschwimmbecken mit höhenverstellbarem Hubboden, das für Schwimmunterricht, Reha-Sport, Seniorenangebote und inklusive Nutzung vorgesehen ist. Für Kleinkinder ist ein separates Planschbecken geplant. Das gesamte Bad wird barrierefrei gestaltet und mit moderner, energieeffizienter Technik ausgestattet. Vorgesehen sind unter anderem nachhaltige Energiekonzepte wie Photovoltaik, Fernwärme und begrünte Dachflächen, um den laufenden Betrieb möglichst ressourcenschonend zu gestalten.
Außenanlagen wie eine Liegewiese und Aufenthaltsflächen sollen das Angebot ergänzen, auch wenn es keinen klassischen Freibadbetrieb mehr geben wird. In Mülheim verbleiben damit lediglich das Naturbad sowie ein privat betriebenes Freibad in Dümpten. Ein Ersatz für ein städtisches Freibad ist derzeit nicht geplant. Als Gründe nennt die Stadt neben der hohen Verschuldung auch den zunehmenden Personalmangel im Bäderbetrieb sowie fehlende geeignete Flächen. Private Investitionen in diesem Bereich schließt die Stadt jedoch grundsätzlich nicht aus.
Der Neubau des Hallenbades Heißen ist vor allem vor dem Hintergrund des langjährigen Mangels an Wasserflächen in Mülheim von Bedeutung. Schulen, Vereine und Öffentlichkeit leiden seit Jahren unter eingeschränkten Nutzungszeiten. Die Stadt verweist darauf, dass viele Kinder das Grundschulalter erreichen, ohne sicher schwimmen zu können – ein Zustand, dem mit dem neuen Bad gezielt entgegengewirkt werden soll.
Quelle: WAZ - Neues Schwimmbad in Heißen: Viele Vorteile sind versprochen - Paywall 08.11.2024
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