Ehemalige Kirche wird zur neuen Geschäftsstelle
Die St.-Nikolaus-Kirche an der Westenfelder Straße wurde 1933 errichtet. 2008 wurde die Kirche im Zuge der Zusammenlegung katholischer Ortsgemeinden außer Dienst gestellt und damit aus der kirchlichen Nutzung genommen.
Nach mehreren Jahren ohne ursprüngliche Nutzung erhielt das markante Gebäude schließlich eine neue Perspektive. Die Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid erwarb die ehemalige Kirche und ließ sie zu einem neuen Verwaltungsstandort umbauen.
Heute befinden sich dort die Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid eG sowie die Räume der Tochtergesellschaft WBGW Bau Service Wattenscheid GmbH.
Die markante Architektur der ehemaligen Kirche blieb dabei erhalten. Gleichzeitig wurde das Gebäude im Inneren grundlegend neu organisiert.
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| St.-Nikolaus-Kirche, 2006 – Foto: Theol / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 |
Die wichtigsten Projektdaten
| Standort | Westenfelder Straße 115, Bochum-Wattenscheid |
| Baujahr Kirche | 1933 |
| Frühere Nutzung | Katholische Kirche |
| Außer Dienst gestellt | 2008 |
| Neue Nutzung | Geschäftsstelle / Bürogebäude |
| Bauherrin | Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid eG |
| Entwurf | Architektin Bettina Kotulla |
| Beteiligter Architekt | Sven Kotulla |
| Architekturbüro | JK Kotulla Architekten Partnerschaft mbB |
| Erweiterung | U-förmiger Anbau |
| Besonderheit | elliptische Büroebene und zentraler Luftraum |
| Investition | rund 8 Millionen Euro |
| Fertigstellung | 2025 |
| Aktueller Stand | fertiggestellt und in Nutzung |
Umbau bis 2025
Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren umfassend geplant und umgesetzt. Die ehemalige Kirche wurde nicht einfach zu einem gewöhnlichen Bürogebäude umgebaut, sondern durch einen Erweiterungsbau ergänzt.
Mit dem Umbau entstand ein neuer Bürokomplex, der die vorhandene Kirchenarchitektur mit modernen Arbeitsbereichen verbindet.
Bauherrin ist die Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid eG. Für den Entwurf verantwortlich ist die Architektin Bettina Kotulla. Als beteiligter Architekt wird Sven Kotulla genannt. Das Projekt wurde vom Büro JK Kotulla Architekten Partnerschaft mbB aus Münster geplant.
U-förmiger Anbau erweitert die ehemalige Kirche
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist der neue Erweiterungsbau. Die bestehende Kirche wurde dabei durch einen U-förmigen Anbau ergänzt.
Zwischen dem historischen Kirchengebäude und dem neuen Gebäudeteil entsteht ein Innenhof. Dadurch wird der neue Bürokomplex räumlich gegliedert und gleichzeitig eine Verbindung zwischen Altbau und Erweiterung geschaffen.
Die neue Architektur ordnet sich dabei bewusst der bestehenden Kirche unter. Das historische Gebäude bleibt der prägende Mittelpunkt des Ensembles.
Besonderer Innenraum mit offenem Luftraum
Besonders ungewöhnlich ist die Gestaltung des ehemaligen Kirchenschiffs.
Statt den großen Raum mit einer klassischen durchgehenden Zwischendecke zu teilen, wurde ein großzügiger Innenraum geschaffen. Eine ellipsenförmige Ebene führt entlang der Außenwände und verbindet die verschiedenen Arbeitsbereiche miteinander.
In der Mitte bleibt der Raum bis unter das Dach offen.
Dadurch bleibt die besondere Raumhöhe der ehemaligen Kirche erlebbar. Gleichzeitig entstanden auf den verschiedenen Ebenen moderne Büro- und Besprechungsbereiche.
Die Architektur nutzt damit eine der größten Besonderheiten des ehemaligen Kirchengebäudes – den großzügigen und hohen Innenraum – anstatt ihn durch eine konventionelle Büroaufteilung zu verstecken.
Moderne Büros hinter historischer Fassade
Von außen ist die Veränderung deutlich weniger auffällig als im Inneren.
Das markante Erscheinungsbild der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche mit ihrem charakteristischen Turm blieb erhalten. Im Inneren wurde das Gebäude dagegen nahezu vollständig neu organisiert.
Glastüren und Glasflächen sorgen für offene Sichtbeziehungen zwischen den Arbeitsbereichen. Die Büros liegen überwiegend entlang der Außenwände, während der zentrale Bereich des ehemaligen Kirchenschiffs offen bleibt.
So entstand eine moderne Bürowelt, die die besondere Architektur des Bestandsgebäudes weiterhin erkennen lässt.
Erinnerungen an die frühere Kirche bleiben erhalten
Trotz des umfangreichen Umbaus wurde die Geschichte des Gebäudes nicht vollständig ausgelöscht.
Eine alte Kirchenbank befindet sich weiterhin im Obergeschoss. Auch Teile der früheren Kirchenfenster wurden erhalten und in die neue Gestaltung integriert.
Damit erinnern einzelne Elemente weiterhin an die ursprüngliche Nutzung als katholische Kirche.
Die neue Geschäftsstelle verbindet somit zwei sehr unterschiedliche Kapitel der Gebäudegeschichte: die frühere Nutzung als Gotteshaus und die heutige Funktion als moderner Verwaltungsstandort.
Rund acht Millionen Euro investiert
Nach Angaben der WBGW belaufen sich die Gesamtkosten für das Projekt auf rund acht Millionen Euro.
Der Umbau fiel in eine Zeit deutlich gestiegener Baukosten. Trotzdem hielt die Wohnungsbaugenossenschaft an dem Projekt fest und stellte die einzelnen Planungen und Ausstattungen wiederholt auf den Prüfstand.
Ein wesentlicher Vorteil war das bereits vorhandene Gebäude. Nach Einschätzung der WBGW war der Umbau der ehemaligen Kirche günstiger als ein vergleichbarer Neubau auf einem freien Grundstück.
Damit wurde nicht nur ein ungewöhnlicher neuer Firmensitz geschaffen, sondern gleichzeitig vorhandene Bausubstanz weitergenutzt.
WBGW nutzt die Kirche als neuen Unternehmensstandort
Der neue Standort ersetzt die bisherigen Verwaltungsräume der Wohnungsbaugenossenschaft an der Franz-Werfel-Straße.
Dort waren die räumlichen Möglichkeiten zuletzt zunehmend begrenzt. Heute bietet die ehemalige Kirche deutlich mehr Platz und zugleich einen außergewöhnlichen Unternehmensstandort.
Die WBGW beschäftigt rund 17 Mitarbeiter. Hinzu kommen Beschäftigte des Tochterunternehmens WBGW Bau Service Wattenscheid GmbH, das handwerkliche Dienstleistungen für die eigenen Wohnungsbestände erbringt.
WBGW verwaltet rund 3.000 Wohnungen
Die Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid verfügt nach eigenen Angaben über rund 3.000 Wohnungen.
Davon befinden sich etwa 1.400 Wohnungen in Wattenscheid. Weitere Wohnungsbestände liegen unter anderem in Marl, Bottrop, Lünen und Gelsenkirchen.
Der neue Verwaltungsstandort in der ehemaligen Kirche ist damit nicht nur ein außergewöhnliches Bürogebäude, sondern zugleich die zentrale Geschäftsstelle eines traditionsreichen Wattenscheider Wohnungsunternehmens.
Umbau als Beispiel für die Umnutzung von Kirchen
Die ehemalige St.-Nikolaus-Kirche zeigt beispielhaft, wie sich nicht mehr benötigte Kirchengebäude einer neuen Nutzung zuführen lassen.
Statt das Gebäude abzureißen, wurde die vorhandene Bausubstanz weitergenutzt und durch einen modernen Anbau ergänzt.
Dabei blieb die charakteristische Architektur des Bestandsgebäudes erhalten, während das Innere vollständig auf die Anforderungen eines modernen Bürostandortes ausgerichtet wurde.
Gerade die Kombination aus historischer Kirchenarchitektur, neuem Erweiterungsbau und moderner Bürogestaltung macht das Projekt in Bochum-Wattenscheid besonders interessant.
Mögliche Erweiterung des Standorts
Mit dem Umbau ist die Entwicklung des Standorts möglicherweise noch nicht abgeschlossen.
Der neue Anbau bietet grundsätzlich die Möglichkeit einer späteren Erweiterung. Sollte die WBGW weiter wachsen und zusätzliche Arbeitsplätze benötigen, könnte der Standort entsprechend angepasst werden.
Damit besitzt die ehemalige Kirche auch langfristig Entwicklungspotenzial.
100 Jahre WBGW
Der Umbau fällt zudem in ein besonderes Jahr für die Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid.
Die WBGW wurde 1926 gegründet und feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen.
Damit steht der neue Unternehmensstandort sinnbildlich für die Verbindung von Tradition und Zukunft: Die Genossenschaft blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück und nutzt gleichzeitig ein ehemaliges Kirchengebäude als modernen Verwaltungsstandort.
Aktueller Baufortschritt
Fertiggestellt: Der Umbau der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche zur Geschäftsstelle der WBGW ist abgeschlossen.
Die ehemalige Kirche wird inzwischen als Büro- und Verwaltungsstandort genutzt. Die historische Bausubstanz wurde mit einem modernen Erweiterungsbau kombiniert.
Besonders prägend sind der offene Innenraum des ehemaligen Kirchenschiffs, die ellipsenförmige Büroebene und der neue U-förmige Anbau.
Eine spätere Erweiterung des Anbaus ist grundsätzlich möglich.
Eine Fotostrecke der fertig umgebauten Kirche
Quellen: Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid (WBGW), Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, WAZ Bochum, JK Kotulla Architekten.

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